Schmetterlingsdame

Ich finde es inzwischen faszinierend, wie meine Umwelt auf mich reagiert. Wo vor ein paar viele Monate meine Umwelt zurückgeschreckt ist und mich mit spöttischen oder skeptischen Blicken* übersät hat, reagiert sie nun vollkommen anders. Im mir am liebsten Fall ist es so, dass man mich ignoriert. Ich kann dann in der Masse untertauchen und es ist eine Wonne von dort aus zu beobachten.

Doch ab und zu passiert es, dass man mich anschaut, mustert und doch tatsächlich anfängt zu lächeln. Ich freue mich dann immer wie ein Kind auf dem Schoße vom Weihnachtsmann, welches ein Lob bekommen hat, da es so artig war. Gestern war wieder einmal so ein Tag. Ich musste für den Job raus an die Frischluft, was bei dem sonnigen Wetter nicht weiter schlimm war. Ja, als Praktikantin bietet man sich gerne mal an, Wege für Kollegen oder Chefin zu machen. Außerdem habe ich inzwischen mit Bewegung ja gar kein Problem.

Auf dem Rückweg bin ich dann mit einem älteren Mann zusammengestoßen, der aus einem Büdchen heraus kam. Erst wollte er meckern, doch dann stoppte er und meinte: „Na wohin so schnell Fräulein mit den unverschämt langen Wimpern? Damit kann man ja einen Orkan auslösen.“ Erst schaute ich schuldbewusst zu Boden und dann meinte ich lachend: „Kennen Sie den Butterfly-Effekt?“ und ging weiter. Natürlich freute ich mich wieder wie ein Kind über das Kompliment.

Doch heute Morgen kam mir dieser Mann wieder entgegen. Er hielt mich an und wollte von mir den ButterflyEffekt erklärt haben, da in seinem (O-Ton) ollen Lexikon davon nichts zu finden war. Ein kurzer Blick zur Haltestelle und der dazugehörigen Uhr zeigte mir, dass ich noch etwas Zeit hatte bis zum Arbeitsbeginn. Also erklärte ich dem Herrn mit den Komplimenten die Sache. Als ich fertig war schaute er mich an und meinte leise: „So ist das also. Dann sind Sie eine Schmetterlingsdame, ihre Wimpern die Flügel. Wer weiß, was Sie schon alles ausgelöst haben?!“ Wir lachten beide und ich spürte, wie mir die Wärme der Verlegenheit in die Wangen schoss. Er verabschiedete sich mit: „Einen schönen Tag Schmetterlingsdame.“ und ging seinen Weg.

Ich hingegen blieb noch auf dem Gehweg stehen und grinste dümmlich vor mich hin. War aus der dicken Raupe nun ein Schmetterling geworden? Mein Blick fiel wieder auf die Uhr an der Haltestelle. Ach Du je, jetzt aber schnell, in zehn Minuten muss ich im Büro sein.

*Das ist natürlich ein sehr subjektives Gefühl der Kaddytion

Ein Gedanke zu „Schmetterlingsdame

  1. Wirklich schön erzählt……….
    Und d a s mit dem „Butterfly“-„Effekt“ auch muss „wen“ mal „schlagkräftig“ einfallen!!!
    Bitte „weitermachen“gell?
    &.,:“Im täglichen Wahnsinn unserer Zivilisation,den Zauber finden!

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