Ruhig Blut und locker bleiben – Teil XV

Es geht schon wieder los. Ich könnte es singen, ganz laut. Um genau zu sein, habe ich es den halben Morgen vor mich hingesummt. Zu schwer und zu dramatisch in meinen Augen waren die Erfahrungen mit den letzten beiden Sachbearbeiterinnen. Und nur weil ich mein Kleingewerbe abgemeldet habe, bekomme ich schon wieder einen neuen Sachbearbeiter. Also ich sind ja doch irgendwie mein Mann und ich, unsere Bedarfsgemeinschaft eben. Er hatte während meiner Reha schon das Vergnügen, unseren neuen Sachbearbeiter kennen zu lernen. Er war ruhig und sachlich eben, eigentlich untypisch für einen Bearbeiter beim Jobcenter.

Heute hatte ich das Vergnügen, ihn selber kennen zu lernen. Nachdem mein Andenken aus der Rehabilitation unser erstes Treffen verhindert hatte, war doch sehr schnell ein neuer Termin gefunden. Natürlich haben wir für alle schlimmen Eventualitäten genügend Zeit mit eingeplant, dass wir in Ruhe diese heimatliche und entspannte Atmosphäre des Jobcenters aufnehmen konnten, bevor wir zum Sachbearbeiter rein gingen.

Leider habe ich im Büro des Herren das Schild mit der Virenwarnung nicht gesehen und ihm erst einmal die Hand geschüttelt. Aber er war glaube ich so verdattert, dass er sie mir schüttelte. Danach setzen wir uns und ich fing an, meine Anliegen zu erzählen. Er wollte nämlich sofort wissen, ob weiterhin und wenn ja, wie lange voraussichtlich meine Arbeitsunfähigkeit weiter bestehen würde. Ich war sichtlich irritiert, da ich ja beim letzten Termin mit einer alten Sachbearbeiterin zu hören bekommen habe, dass ich vom medizinischen Dienst des Jobcenters erst einmal für sechs Monate für arbeitsunfähig erklärt worden bin. Er schob sofort den Monitor in meine Richtung und mich strahlte das Wort „arbeitslos“ an. Ich, ein Laie des Vereins, wußte nicht, was das bedeutete. Als ich dann auch noch meinem neuen Sachbearbeiter sagte, dass ich keine Kopie des Gutachtens ausgehändigt bekommen habe, war es, als hätte er eine Art Metamorphose durchgemacht: Er hat sonst auch keine leise Stimme, aber da wurde er richtig laut und schimpfte richtig laut über meine alte Sachbearbeiterin. Laut las er vom Monitor ab:“Gutachten lag vor! Ja wunderbar, und was stand darin?“ Kleinlaut warf ich ein, dass er ja in die Akte schauen könnte. Er schaute mich an, als wollte ich sein Wasauchimmer essen. Akten gäbe es angeblich nicht. Also er zumindest macht alles am PC. Ich war irritiert. Dabei sagte man mir beim letzten Termin doch, nun würden alle Unterlagen an meinen neuen Sachbearbeiter übergeben werden.

Ein Einfall verhalf uns, doch noch zu einer Lösung zu kommen. Er rief beim medizinischen Dienst an und erkundigte, ob diese in das Gutachten schauen könnten. Man las ihm vor und gab ihm, glaube ich, eine Fallnummer. So etwas muss nämlich im System erfasst und dokumentiert werden. Naja, dachte ich bei mir, in Sachen Dokumentation hatte es die vorangegangene Mitarbeiterin es Jobcenters eh nicht so gehabt, wie mir schien. Er hatte auf jeden Fall das, was er brauchte, um mich erst einmal aus der Vermittlung zu nehmen. Weiter solle ich noch einen weiteren Antrag stellen.

Und das war genau der Inhalt der Eingliederungsvereinbarung. Beim durchlesen irritierte mich noch etwas, dass in der Vereinbarung unter dem Punkt: Unterstützung durch das Jobcenter meine Pflichten stehen. War also das Jobcenter nicht in der Lage mich zu unterstützen? Oder kann man es so auffassen, dass ICH das Jobcenter unterstützen muss? Wieso dann aber die Bemühungen von Glitzerprinzessin im 2. Punkt? Oder ist es nur eine Erklärung von Punkt 1? Naja, das Formular versteht ja sowieso jeder, wie er will.

Mein Mann und ich haben auf jeden Fall nun erst einmal Ruhe bis ins nächste Jahr hin. So lange habe ich Zeit einen 2. Antrag zu stellen und die Vorweihnachtszeit zu genießen. Ich bin unheimlich froh und entspannter aus dem Gebäude heraus gekommen, als ich hinein gegangen bin. Jetzt heißt es nämlich Geduld entwickeln und die Rentenversicherung arbeiten lassen.

Ein Gedanke zu „Ruhig Blut und locker bleiben – Teil XV

  1. Trotz aller Schikanen,wieder gut gekontert!Man ist in diesem „Jobcenter“, fast „minütlich „verdächtig“!Jeder!
    „Trotzdem“ ,besinnliche „Rest“ „Adventzeit“ & „Frohe Weihnachten“!
    LG,“Oldboy“ p

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