Ruhig Blut und locker bleiben – Teil XIII

Meiner Therapeutin sei Dank ging es mir nach diesem Termin wieder besser und ich wußte eins: wir brauchten Hilfe. Und DAS zu akzeptieren war hart, sehr hart, und nicht einfach. Doch wir hatten ja schon quasi Jahre Hilfe vor der Türe. Das Büro von Mensch ist Mensch e.V. war nur wenige Haltestellen entfernt und ich konnte sogar ohne Zusatzticket dahin fahren.

Dort empfing uns das ganze Team sehr herzlich, ich war gerührt vor Tränen. Ich kann es kaum erklären. Wenn man in „großen“ Einrichtungen wie die Caritas oder ähnlich nach Hilfe bittet, kann man da so gar nicht wirklich helfen. Ich zumindest hatte oft das Gefühl, dass man sich da für einen nicht zuständig fühlt, vielleicht sogar mit unseren Anfragen überfordert war. Nicht im Mensch ist Mensch – Büro. Man bot uns sofort ein Getränk an und wir konnten erzählen. Andere Anwesende wahrten aus Respekt den Abstand und wir konnten @mal1euro unseren ganzen Sorgen, die sich in der letzten Zeit so angehäuft hatten, erzählen. Natürlich liefen bei mir auch da wieder die Tränen, aber das war okay.

Nachdem alles erzählt war, beschloss er, dass wir die Hilfe von @Backschafter brauchten. Sie bietet immer wieder dort im Büro Rechtsberatung an. Wir wollten einmal gegen den Aufhebungsbescheid der Agentur für Arbeit vorgehen und widersprechen. Darum würde sie sich kümmern. Dass wir weder für den Juni noch für den Juli ausreichend ALG II bekommen haben, würden wir direkt vor Ort am nächsten Tag mit @mal1euro klären. Dazu verabredeten wir uns am nächsten Tag direkt vor dem Jobcenter für Jugendliche/Selbständige.

Natürlich konnte ich die Nacht darauf nicht schlafen. Auf der einen Seite war ich zu nervös vor dem Termin. Auf der anderen Seite musste ich mich nachmittags doch einmal hinlegen, da mir der Gang zum Mensch ist Mensch e.V. recht viel Kraft abverlangte. oO(Wer gibt schon gerne zu, dass er alleine nicht mehr weiter kommt und Hilfe braucht?) Also folgte eine Nacht ohne viel Schlaf, dafür mit viel Trash-TV. Als ich dann endlich hätte wirklich schlafen können, mussten wir leider aufstehen. Ich funktionierte an diesem Morgen irgendwie mechanisch, duschen anziehen und frühstücken. All das machte ich wie ein Mechanismus. Das Gespräch mit einer Frau, die mich meiner Meinung nach mehr als einmal angelogen hatte stand bevor und ich versprach mir nicht viel davon, maximal ein Hausverbot und eine Leistungssperre durch mein Verhalten.

Alle Parteien waren überpünktlich und so verbrachten die Herren die Zeit mit Smaltalk, ich gab mir Mühe nicht im Stehen ein zu schlafen. Als wir endlich das Gebäude um 8:00 Uhr betreten durften, hieß es erst einmal Nummer ziehen und warten. Doch um die Uhrzeit war recht wenig los und wir hatten doch auch etwas Glück, wir wussten ja wo wir hin mussten. Nach kurzer Zeit durften wir vorstellig werden und dem Mitarbeiter an der Theke unser Anliegen schildern. Er rief natürlich sofort unsere ehem. Sachbearbeiterin an, zu der wir dann auch hinkommen konnten.

Das komplette Gespräch möchte ich hier als Gedächtnisprotokoll nicht wiedergeben, da es ich es sicher sehr subjektiv verzehren würde. Was mir nur ausdrücklich im Kopf geblieben ist, sind zwei Aussagen.

Aussage 1

„Warum mussten sie ein halbes Jahr vor Ende krank werden?“ Nach einigem hin und her und wieso- und „können Sie da noch einmal weiter machen?“-Fragen war es mir zu bunt und ich antwortete abschließend mit einer Gegenfrage im sehr patzigen Ton: „Ich habe mir das ja auch ausgesucht.“

Aussage 2

„Passen Sie auf, was sie sagen.“ Es war an meinen Mann gerichtet, weil er am Vortag nach ihrem Anruf mit der Call-Center Hotline telefonierte und wissen wolle, wieso eine Sachbearbeiterin, die nicht mehr für uns zuständig sei, uns anruft. Und ob er auf der anderen Seite mit der Leistungsabteilung sprechen könnte. Man sagte uns nur nein, aber eine Erklärung gab es am Vortag telefonisch nicht. Dass man nach so einer Androhung, kein Geld zu bekommen, etwas ungehalten reagiert, ist für viele klar. Nicht aber für unsere ehem. Sachbearbeiterin. Sie sagte meinem Mann, <ironie> sicher nur als Hinweis und im Guten</ironie> dass man das auch anders auffassen kann und somit Hausverbot ausgesprochen werden kann. Ich hatte eher das Gefühl einer Drohung, die gegen meinen Mann gerichtet war.

Unterm Strich waren alle Papiere schon da, sie sind nur nicht anständig durchgeblättert worden. oO(natürlich keine Entschuldigung nichts!) Man schmierte uns natürlich unter die Nase, dass alle Dokumente verspätet abgegeben wurden. oO(Hallo? Mir wurden sie auch nicht eher zugestellt. Poststreik? Da schon mal etwas von gehört?) Um eine nachträgliche Berechnung und einen neuen Bescheid zu bekommen fehlten nur noch meine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Auch so ein Punkt, der mich aufregte. Ich fragte extra beim ehem. Bildungsträger nach, ob ich da irgendwas machen müsste. Nein, das würde automatisch von der Agentur für Arbeit an das Jobcenter weiter gegeben werden. Pustekuchen! Und ich brauche eine Bescheinigung von meiner Therapeutin, dass ich voraussichtlich erst einmal bis zur Tagesklinik/Reha nicht arbeitsfähig sein werde.

Nach dem Termin beim Jobcenter lief ich freiwillig die Strecke bis zum Hauptbahnhof, um mich ab zu reagieren. Von dort aus ging es zur Krankenkasse, die fehlenden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen evtl. kopieren zu lassen. Ich hatte eh vor, dahin zu gehen, da ich noch Papier von meiner Therapeutin hatte, die von der Krankenkasse bewilligt werden durften. Die Sachbearbeiterin in der Filiale war sehr sehr sehr sehr freundlich und höflich und druckte mir die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus und kümmerte sich auch noch um meinen weiteren Papierkram.

Nun darf ich morgen noch einmal ins Jobcenter und die Bescheinigungen abgeben, nicht ohne vorher die Diagnosen zu schwärzen. Ich hoffe ganz doll, dass sie Wort hält und wir wirklich das Geld kommende Woche überwiesen bekommen. Und wieder verstehe ich es nicht, wie sich Menschen in diesem entwürdigendem System einnisten können und sich sagen: Wieso arbeiten gehen. Und immer mehr verstehe ich Menschen, die nicht nur sprichwörtlich alles daran setzen aus dem System wieder raus zu kommen. Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten, ob es nun endlich bei uns in die richtigen Bahnen kommt oder ob wir noch die 20er knacken und ich für diese Serie ein Jubiläum machen kann.

Und auch hier noch einmal ein echt dickes

Danke

 

an das Mensch ist Mensch e.V. -Team! Ihr seid wirklich alle spitze. Es war so bewegend, euch am Mittwoch in Aktion zu sehen. Kein „von oben herab“-Gehabe. Es war, als würde man sich mit Freunden unterhalten und die Herzlichkeit im Büro war überwältigend. Auch ich weiß, dass dort im Büro sicher das eine oder andere Mal direkte Worte gesprochen werden müssen, aber alles in allem ist es dort sehr herzlich.

Ein Gedanke zu „Ruhig Blut und locker bleiben – Teil XIII

  1. Nun,wenigstens ein „Hoffnungsschimmer“,mit-„Mensch ist Mensch“ e.V.“Team“,ansonsten verstehe ích sehr gut,dass man hier echt in diesem „Filz“ verzweifeln kann & möchte!Kaum zu glauben,was man diesbezüglich so alles durchstehen muss,oftmals denke ich,dass das Absicht ist von diesen „Agenturen“,um die Menschen gefügig & wehrlos zu machen!Eine wahre Schande dieses politisch neoliberalen Systems der Verachtung, gegenüber wehrlose & bedürftige!Trotzdem,nicht aufgeben,alles mögliche versuchen,Hilfe annehmen,wo es irgenwie möglich ist!Auch die „rote Karte“ zeigen,nicht nur gegenüber der Juncker EU Clique & ihren willfährigen „Freunden“ in Bonn!Die haben uns dieses neoliberale Wirtschaftssystem der Menschenverachtung „eingebrockt“!Weg mit ihnen!
    „Solidarische“ Grüße,
    hp

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