Ruhig Blut und locker bleiben – Teil X

Der letzte Beitrag ist über ein Jahr her. Doch die ARGE bzw. ihr kleiner Bruder das Jobcenter will, dass es doch noch zu einem Jubiläum kommt. Und dieses kommt mit einem großen Knall und viel Tammtamm.

Doch bevor ich wieder mit der Tür ins Haus falle, hier etwas Vorgeschichte:

Es ist im März ein Jahr her, dass mein Mann von seinem letzten Job nicht verlängert worden ist. Das bedeutete für ihn, auch ALG I zu beantragen, wie ich auch. Anfangs war alles recht entspannt, seine Sachbearbeiterin war entweder sehr umgänglich aalglitschig oder arbeitsunfähig.

Entweder eilte uns mein Ruf voraus oder es war wohl scheinbar abzusehen, dass sie länger krank war. Auf jeden Fall wurde mein Mann einem Team übergeben, die sich intensiver um die Arbeitssuchenden kümmern würden. Ich hatte Bauchschmerzen vorm ersten Termin. Doch diese Schmerzen erwiesen sich als unbegründet und die neue Sachbearbeiterin als sehr zuverlässig. Auch ich ging einmal mit und empfand diese Sachbearbeiterin als eine Frau, die ihren Job gerne machte. Sie rannte bei uns offene Türen ein, doch die Mühlen der Bürokratie mahlten langsam, zu langsam für meinen Mann und mich. Und so kommt der Tag immer näher, an dem er ALG II beantragen muss, dachte ich.

Doch ein „er und ich“ gibt es nun nicht mehr. Für das Amt sind wir eine Bedarfsgemeinschaft. Und da ich letztes Jahr die Idee hatte, uns in Form eines Kleingewerbes etwas dazu zu verdienen, muss das Ich aus dem Uns nun den Antrag stellen. Ohne Vollmacht von mir bekam mein Mann nicht einmal den Antrag, den man sich auch online herunterladen kann*. Beim 2. Termin waren wir schlauer und ich füllte meinem Mann eine Vollmacht aus. In diese schrieb ich extra, dass diese auch für weitere „Besuche“ gelten würde. Denn im Moment bin ich ja noch immer in der Umschulung und habe keine Zeit, Termine um die Mittagszeit wahrzunehmen, bei der Reisezeit würde ich einen kompletten Tag verlieren und bräuchte gar nicht erst ins Büro gehen.

Am 19.02.2015 war es dann soweit: innerhalb von einer Woche hatten mein Mann und ich alle mitgegebenen Formulare ausgefüllt. Doch nicht nur das. Wir hatten auch alle Nachweise, sofern vorhanden in Kopie beigefügt und die fehlenden Nachweise angefordert. Es ist der Wahnsinn, was man alles nachweisen muss. Dass sie nicht noch nach der Regelmäßigkeit des Stuhlgangs fragen oder andere private Sachen, wunderte mich.

Mein Mann ging also zum besagten Termin, der in den Mittagsstunden stattfand, nach Öffnungszeiten des Jobcenters. Es ist der Wahnsinn, dass man ihn trotzdem rein gelassen hat. Hätte er den Zettel mit dem Termin nicht mit gehabt, wäre er scheinbar nicht rein gekommen. Aber er ist es, denn er hatte alle Zettel eingepackt. Unser neues Sachbearbeiterding war sichtlich irritiert und erklärte meinem Mann, es habe eigentlich eine Frau Chaos erwartet. Das Sachbearbeiterding schaute zwar in in den PC, wollte meinem Mann aber direkt eine Zielvereinbarung aufdrücken und auch sonst war es sehr emotionslos von der Dingsseite. Natürlich stand in der Zielvereinbarung nicht das, was besprochen war. Also lehnte mein Mann diese Vereinbarung ab. „Ist natürlich Ihr gutes Recht“, wurde er sofort von unserem SB-Ding aufgeklärt.“Dann stellen wir ihn als Verwaltungsakt zustellen.“

Das Ende vom Lied ist erst einmal, dass wir beide einen neuen Termin haben, bei dem mir wohl auch eine Zielvereinbarung aufgedrückt werden soll. Und danach haben wir ein Termin bei der Stelle, die unseren ALG II Antrag wohl auch in die Hand nehmen wird. Denn unser SB-Ding hat weder ein Formular in die Hand genommen, noch in meine Akte geschaut.

Nach dem Termin rief mich mein Mann an und erzählte mir alles. Ich war entsetzt und schockiert zugleich. Er wirkte nur etwas aufgebracht, aber gefasst. Später am Abend erzählte er mir, dass er damit gerechnet habe. Ich hoffnungslose Optimistin habe gehofft, dass es dieses Mal ohne Kampf geht, dass die Beschwerde noch in meinen Akten stehen würde. Aber wie soll unser SB-Ding das wissen, wenn sie nicht in die Akten schaut?

Ich bin mir sicher, dass es noch eiiiinige Folgen von „Ruhig Blut…“ geben wird, denn der Kampf beim JobCenter wird hart, lang und blutig. Doch sie wollen es so. Und ich hoffe mein Mann ist sich sicher, wir sind soweit gekräftigt, dass wir ihn aushalten. Ich halte euch auf dem laufenden.

*Es ist sogar so, dass man als junger Erwachsener bis zum 25. Lebensjahr auch nicht ihren eigenen Antrag bekommen, wenn sie noch bei ihren Eltern wohnen. Die Eltern dürfen dann den Antrag abholen. Klasse oder?

2 Gedanken zu „Ruhig Blut und locker bleiben – Teil X

  1. Hallo Peter,

    danke für Deinen Zuspruch. Und gut zu wissen, dass man nicht nur GER gegen die Mühlen der Bürokratie kämpft.

  2. Immer wieder ich muss „den Kopf schütteln“,welche „Dösi“ Bürokratie existiert, und mich das auch ziemlich nervt!Auf die Schwächeren einprügeln, können „SIE“ gerne!Hoffe nur,dass IHR BEIDE dazu genügend Kraft habt,das „noch“ kommende „heil“ zu überstehen!
    Dazu fällt mir „schriftlich“ ein Text ein:“Solange es uns noch gelingt,für einen auskömmlichen Niedriglohn,hinreichend Menschen zu verpflichten,die auf ihresgleichen einprügeln,solange ist Recht,Ordnung und die Wohlfahrt von Industrie & Banken nicht in Gefahr“!(Anonymer Banker,“Bankster“ der „Wall Street“).
    Trotzdem „weiter k(„r“)ämpfen!!!
    „Solidarisch“ Grüße,
    ph aus „Ösi“ Land!Hier ist die „Bürokratie“ ,genauso ein „Shit“!

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