Ruhig Blut und locker bleiben – Teil IV

Die Überschrift ist der reinste Hohn. Mir fällt es nämlich immer schwerer, ruhig zu bleiben. Oft darf ich mein Mantra aufsagen und könnte doch an die Decke gehen. Denn ich hatte doch wirklich und tatsächlich geglaubt, dass nun kein Stolperstein mehr meinen Weg zieren. Aber wie immer kommt es anders, als man denkt.

Donnerstag und Freitag vor zwei Wochen habe ich erfolglos versucht, meinen Wunschbildungsträger zu erreichen. Ich wollte nachfragen, ob bei ihm noch ein Platz zur Umschulung frei ist. Leider habe ich wohl zu so komischen Uhrzeiten angerufen, dass ich dort niemanden erreicht habe. ABER! Die sind da so freundlich und rufen zurück. Ich war echt baff, zumal ich mit ihnen noch nichts zu tun hatte.

Dann kam aber leider die Erkenntnis, dass das BFW in Oberhausen nicht Voraussetzungen für einen Bildungsgutschein erfüllen. Ich verstehe bis heute nicht, warum mir Frau B. das nicht schon bei der Äußerung meines Erstwunsches im August gesagt hat. Das hätte uns eine Menge Zeit und vor allem Ärger erspart. Doch darauf scheint es dasArbeitsamt die Agentur für Arbeit nicht abgesehen zu haben. Immerhin hat mir Frau C. ja angeboten, das auch auf dem Weg der Rehabilitation zu machen. Also Hinweis an Frau B., dass ich doch lieber den Antrag auf Reha hätte.

Auch ein sehr hilfreicher Hinweis vom Anwalt ist die Tatsache, dass man jederzeit etwas als Notiz in die eigene Akte vermerken kann. Also habe ich mich nach dem Gespräch mit Frau C. hingesetzt und alles seit dem Umzug aufgeschrieben und wieder einmal einen Brief mit Rückschein an die Agentur geschickt. SO ist zumindest der Vorfall mit Frau B. und ihrer Vorgesetzten in der Akte, es kann also keiner übersehen. Was für eine Argumentationsgrundlage habe ich denn sonst? Wenn Frau B. bei so Sachen ihren Vorgesetzten anlügt, was wird sie dann erst zu Anrufen sagen? Dass diese nie stattgefunden haben? Danke nein, auf eine „Aussage gegen Aussage“-Situation habe ich im Zweifelsfall keine Lust.

Der Hinweis an Frau B. ist sofort angekommen und sie rief mich direkt zurück, dass sie da Zweifel habe, ob ich überhaubt Anrecht auf einen Antrag zur Rehabilitation habe. Ich solle doch lieber den Bildungsgutschein nehmen und ihn in Essen bei einer Privatschule nutzen. Ein kurzer Blick bei der deutschen Bahn und GoogleMaps zeigte mir, dass ich ca 50 [wenn alles gut ginge] bis 70 [wenn es eben nicht so gut ginge] Minuten Arbeitsweg pro Strecke habe. Nehmen wir mal an, dass die Schule, die im Internet sowieso nicht so gut abgeschnitten hat, ihren Unterricht von 8:00 bis 17:00 Uhr anbietet, bin ich frühestens 18:20 Uhr in Oberhausen. Und DAS in Prüfungszeiten? Wer macht mir den Haushalt? Soll ich wieder alles meinem Mann aufladen? Nein! Bis hierhin und nicht weiter, schließlich hat es mir die Vorgesetze angeboten.

Der Auftrag ging letzte Woche Montag raus, letzten Samstag kamen die Unterlagen vom Medizinischen Dienst. Da lächelte ich noch, als ich den Bogen ausfüllte, alles kopierte und es, wie es gefordert war, in einen neutralen Umschlag packte. Kannst Du Montag oder Dienstag dann einfach abgeben, es Dir bestätigen lassen und ab dafür. DAS dachte ich am Sonntag noch.

Heute, am Dienstag, bin ich wieder um eine Erfahrung reicher. „Einfach abgeben“ ist nämlich wie „mal eben“ bei mir, gibt es beim Amt nicht. Oder nur nach sehr vielen und lauten Worten. Doch ich will nicht vorgreifen.

Frohen Mutes stiefelte ich zur Information/Anmeldung/Wie auch immer der Bereich im Amtsdeutsch heißt und fragte, wo der Umschlag hinkommt. Man wollte mir den Umschlag aus der Hand nehmen, was ich verhindern konnte. Wer noch nicht einen Fragebogen bekommen hat, es steht unheimlich vieles privates Zeug drin, wie Diagnosen, die keine andere Person außer mir, meinem Arzt des Vertrauens und dem Arzt des Medizinischen Dienstes der Agentur für Arbeit etwas anging. Dann wollte die Dame den Umschlag Frau B. schicken. oO(Hallo? SO weit kommt es noch! Dass die Lügnerin meine Diagnosen sieht!) Auch das verneinte ich. Bei so wenig Kooperationsbereitschaft könne ich ja den Umschlag selbst beim Medizinischen Dienst abgeben. Yehaa, gute Idee, dachte ich. Also Hackengas und ab in die Etage. Dort waren aber alle Türen zu, keiner zu sehen. Doch, ein hagerer Mann, den ich sofort überfiel und höflich fragte, ob er zur Familienkasse oder zum medizinischen Dienst gehöre. Leider war er ein Mitglied der Famiilienkasse oO(Ich hoffe nie mit denen zu tun zu haben!) Auf die nächste Frage, wo denn der Medizinische Dienst sei, reagierte er sehr ungehalten und es kam mir so vor, als wäre er grummelig, dass ich die Antwort nicht selber wüsste, obwohl ich nach seiner Aussage bereits in der richtigen Ecke gewesen sei. Ich entschuldigte mich, ihn geweckt zu haben und setzte mich vor die Türe, nicht ohne zu klopfen. Nach gefühlten Stunden, es waren 5 Minuten, klopfte ich erneut und etwas lauter. Wieder hörte ich nichts. Den Umschlag unterm Arm ließ ich mich vom Aufzug, ich habe in dem Haus noch keine Treppe gefunden oO(Was machen die bei nem Brand?), zurück in den Eingangsbereich fahren und lächelte der Dame am Empfang zu. Ich schilderte ihr mein Dilemma. Sie wollte den Umschlag per Hauspost an den Medizinischen Dienst schicken, was ich sehr nett fand. Mir bestätigen, dass sie den Umschlag an sich genommen hatte, wollte sie nicht, was ich nicht nur nicht nett fand. Ich wünschte dann jemanden zu sprechen, der mir das dann bestätigen konnte und sie verwies mich an ihren Vorgesetzen. oO(Wäre das damals bei uns doch auch so leicht gewesen. Kunde ist ansatzweise ersäuert, schon reich ich ihn an den Chef weiter. Macht bei einer Beschwerdeline sehr viel Sinn #nicht!)

Ihr Vorgsetzer wollte mir auch nicht den Empfang des Umschlages quittieren, erklärte dies, dass sie keine Poststelle seien und selbst wenn ich etwas per Einschreiben schicken würde, wäre es auch nur eine Unterschrift der Poststelle. Auf die Gegenargumentation, dass ich dann aber ein Beweis habe, dass das Schreiben im Hause sei, kam dann wieder nur eine Wiederholung, warum er es nicht machen könnte. oO(Lernen die das bei Schulungen?) Als er mir anbat, den Brief persönlich beim Medizinischen Dienst ab zu geben, wußte ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Mein Gehirn entschloss sich zum Weinen, kam ihm wohl logisch vor. Immerhin ließ sich der Vorgsetzte, nenne wir ihn Herrn D., erweichen und rief beim Medizinischen Dienst an. Ich konnte also noch einmal mit verweinten Augen quer durch das Gebäude fahren und den Brief beim Dienst abgeben. Die Dame schaute nicht nur nach, ob alle Daten vorhanden seien, sondern quittierte mir sogar den Empfang des Briefes. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Sie stellte weiter noch fest, dass das Gutachten aus Dessau ja noch sehr aktuell sei und man sich dieses anfordern würde.

Nun sitze ich hier und warte auf einen Termin, denn ich denke nicht, dass man ein Gutachten über mich erstellen wird, ohne mit mir zu reden. Oder habe ich es damit quasi heraufbeschworen? Ich werde es euch wissen lassen.

 

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2 Gedanken zu „Ruhig Blut und locker bleiben – Teil IV

  1. Kaum zu glauben!Leider wahr!
    „Im täglichen Wahnsinn den Zauber finden“!?!?
    Wäre für die „ZDF“ Sendung „Frontal“, ein sehr „passender“ Beitrag!
    Trotzdem,weiterk(„r“)ämpfen,KATRIN!

  2. Ich bin, wie immer, sprachlos. Ich habe selber bei dem Verein gearbeitet und bin froh, dass ich da weg bin. Deren Art mit Menschen umzugehen ist unterste Schublade *knuff* Ich drück die Daumen, dass alles sich zum Guten wendet.

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