#Kadeckireist

Mindestens einmal im Jahr machen mein Mann und ich uns auf, quer durch die Republik zu fahren, um im Osten meine Schwiegereltern. Und dieses Mal bin ich froh, dass ich ein kleines Notizbüchlein mitgenommen habe und mir Notizen gemacht habe. Aber fangen wir von vorne an.

Dieses Jahr hätten ja eventuell unter einigen Umständen vielleicht mein Mann und ich in einer Maßnahme und/oder in Lohn und Brot sein können. Deshalb planten wir vor 3 Monaten die Reise am Wochenende, also so wirklich. Nicht am Freitag losfahren, damit hatten wir ja letztes Jahr eine nicht so gute Erfahrung gemacht. Dieses Mal sollte alles anders werden, wir würden ja vorplanen. Und dieses Mal ging es sogar mit einem IC quer durchs Land. Plätze hatten wir nicht reserviert, im Zweifelsfall hätten wir an den Türen gesessen. So hätten wir bei jedem Halt Frischluft gehabt. Denn ein IC hat im Gegensatz zu einem ICE keine Klimaanlagen.

Um aber in den IC einsteigen zu können, mussten wir uns erst einmal mit einer Bahnverbindung des Nahverkehrs nach Dortmund bewegen. Wir nahmen die mir bekannte S2, die zwischen Duisburg und Dortmund Hauptbahnhof hin- und herpendelt. Nur stiegen wir dieses Mal nicht in Essen-Altenessen aus, sondern blieben sitzen und genossen die Landschaft.

Da wir schon ein paar Stunden eher auf den Beinen waren, machte sich Lust auf Frühstück breit. Wir suchten soeben alles zusammen, als wir in Gelsenkirchen Halt machten mit unserer S-Bahn. Mein Mann schaute skeptisch aus dem Fenster, es war eben noch früh und es trieben sich ein paar zwielicht aussehende Gestalten herum. Doch ich beruhigte @dasEcki: „Keine Sorge, Gelsenkirchen ist gar nicht sooo assi, wie das Fernsehen immer berichtet.“ Kaum sprach ich diesen Satz aus, steigt ein ungepflegtes und drei Meilen gegen den Wind nach Bier müffelndes Pärchen ein. Gott sei Dank oder welche Kraft auch immer dahinter steckte haben sie sich nicht in unsere Nähe gesetzt und wir konnten zufrieden mit dem Frühstück beginnen. Da man sich mit vollem Mund schlecht unterhalten kann, kauten wir schweigend einer Frau lauschend, die sich die S2 als Telefonort ausgesucht hatte. Trotz einiger Verbindungsabbrüche blieb sie standhaft und rief ihre/n telefonischen Gegenüber immer wieder zurück, um sich mit ihm/ihr zu zanken. Bis zur letzten Station waren dann auch bei uns alle Unklarheiten beseitigt, dass wir nicht mehr nachfragen mussten und in Dortmund das nächste Gleis für den zweiten Abschnitt unserer Reise aufsuchen konnten oO(Weshalb sich einige Menschen streiten können, Wahnsinn!)

Die nächste Etappe startete schon mit einer schlechten Nachricht: Unser IC hatte voraussichtlich 20 Minuten Verspätung wegen verspäteter Bereitstellung des Zuges im Startbahnhof. Jedes Mal, wenn an unserem Gleis diese Durchsage kam, starteten nicht nur die Ferien in allen anderen Bundesländern, sondern wir auch eine LaOla. Unsere Mitreisenden waren leider nicht so erfreut über diese Nachricht oder interessierten sich nicht für unsere Sperenzchen. Wir beide hatten auf jeden Fall eine Menge Spaß am Gleis und es war eine gelungene Alternative, einer Taube beim Zusammensuchen von Materialien zum Nestbau zuzuschauen.

Es wurden nicht nur organische Dinge gesammelt

Es wurden nicht nur organische Dinge gesammelt

Als endlich unser Zug vorfuhr, stiegen wir in der Erwartung ein, keinen Sitzplatz zu bekommen und drei Stunden in den Gängen stehend diesen Abschnitt unserer Reise verbringen zu dürfen. Aber nein, wir hatten Glück: Es war zwar im Weg, aber es waren Sitzplätze, die heruntergeklappt werden konnten, nachdem wir bis Hannover auf „ganz normalen“ Plätzen sitzen konnten. Auf unseren Notsitzen sitzend schaute ich mir die Reservierung der vor uns liegenden normalen Sitzplätze an. Ich zählte fünf Reservierungen, ich sah drei Menschen. Das kleine AschlochKind in mir freute sich auf den Halt, wo die Reservierenden ihre Reise beginnen sollten. Und da waren sie auch schon: eine Familie mit drei Kinder gegen drei Erwachsene Kollegen. Sofort ging natürlich das große und laute Mimimi los, was das denn für eine Frechheit wäre. Jede Partei bestand darauf, dass das ihre Reservierung sei. Und sowieso und überhaupt wäre es ja nicht unüblich, bei der deutschen Bahn Doppeltreservierungen zu erleben. Und wir mitten drin. Ecki verdrehte schon die Augen und genoss die Aussicht. Ich hingehen blicke von einer Fraktion zur anderen, wohl bedacht, bloß nichts zu verpassen, ich gar neugieriges Weib ich!

Aussicht aus dem IC-Fenster

Aussicht aus dem IC-Fenster

Irgendwann vor Braunschweig stellte sich dann heraus, dass die ursprünglich dort sitzende Fraktion sich einfach in der Wagennummer geirrt hatte. Ja, so kann das Leben eben spielen 🙂 Wir suchten uns auf jeden Fall wieder normale Sitze, da ein Bereich weiter ein paar nicht reservierte Plätze eben in BS frei geworden waren. Der Fahrer des IC schaffte es bis Magdeburg doch tatsächlich, dass sein Zug die gestartete Verspätung bis zum Schluss aufholte.

So konnten wir unsere herausgesuchte Route wieder nutzen und ein eine Regionalbahn einsteigen. Ich wunderte mich zwar noch beim Einstieg, wieso wir so lange für die Strecke MG – BTF brauchten, aber dieses Rätsel löste sich nach den drei Milchkannen hinter Magdeburg sofort auf. Natürlich hielt unser Zug auch in unser alten Heimat. Mein Herz machte einen Satz vor Freude, als wir nicht ausstiegen.

Dessau, jaaah, Dessau -.-

Dessau, jaaah, Dessau -.-

Wir stiegen lieber in Bitterfeld aus und machten uns schnell auf zum Haus meiner Schwiegereltern. Kaum hatten wir die Gastgeber begrüßt, huschten wir in unser Gästezimmer, warfen den Koffer aufs Bett und suchten unsere Badekleidung raus. Meine Schwiegereltern haben nämlich einen Pool im Garten, der ca. 10°C Temeperaturunterschied zur Außentemperatur hatte Und nach ca. 8h Fahrt in einer Sauna tat ein Bad im Pool echt gut. Um nicht pudelnass am Kaffeetisch zu sitzen, lief ich noch etwas im Garten rum und ließ mich von der Sonne trocknen. Dabei fing ich noch ein paar wunderschöne Eindrücke im Garten der Eltern meines Mannes ein:

Diese Blüten ...

Diese Blüten …

... waren bei den Bienen ...

… waren bei den Bienen …

... sehr sehr beliebt.

… sehr sehr beliebt.

Der Nachmittag und Abend ging schnell rum und so lagen wir irgendwann nachts unterm Dach im Bett. Und ja, es war dort verdammt warm 🙂 Aber der Kaffee und der Kuchen vom Vortag zum Frühstück ließen die Nacht schnell wieder vergessen. Zum Mittag bekamen wir von meinen Schwiegereltern ein paar Brötchen mit Fleisch vom Abend belegt eingepackt und natürlich etwas zu trinken. Wir dösten noch etwas im kühlen Haus und machten uns dann für die Heimreise fertig.

Gestriegelt und geduscht ging es mit Schwiegerpapas Auto zum Bahnhof. Nur noch eine Fahrkarte kaufen und ab zum Gleis. Doch da waren sie wieder, meine drei Probleme, wie es Otto Walkes einmal in einem seiner Filme zu sagen pflegte. Die Rückreise fing nämlich schon gut an. Wir blieben nämlich im Aufzug zum Gleis stecken und mussten von der Bitterfelder Feuerwehr befreit werden. Ihr glaubt gar nicht, wie sich unter Sonneneinstrahlung und aufkommende Panik, mein Mann war auch in dieser Situation ein Deeskalator erster Güte, so ein kleiner Glaskasten aufheizen kann. Ich war also dann schon das erste Mal durchgeschwitzt, noch ehe wir im ersten von 5 Zügen saßen. „Na DAS fängt ja gut an“ schoss es mir noch durch den Kopf, als die Feuerwehrmänner uns beruhigten und den Aufzug absperrten, da er nicht zur Kooperation überredet werden konnte.

Da sollte keiner mehr mit fahren.

Da sollte keiner mehr mit fahren.

Unsere erste Tingeltangelbahn kam an, nur gut, dass wir uns etwas eher zum Gleis aufgemacht hatten. Wir hätten sonst schon unseren ersten Zug verpasst. Wäre nicht schön gewesen. Doch es wurde ruhiger, denn sowohl von Bitterfeld nach Halle, als auch von Halle nach Kassel-Wilhelmshöhe war alles fein. Nur das Wetter hatte die Nase voll von Eitel, Glück und Sonnenschein.

Sonne war mal

Sonne war mal

In Kassel sollte es noch einmal eng werden, denn wir hatten zum Gleiswechsel nur wenige Minuten. Doch scheinbar fuhren wir in einer Tardis und zurück in die Vergangenheit. Wir hatten also die Zeit auf unserer Seite.

Fast 14 Jahre auf den Anschlusszug warten?

Fast 14 Jahre auf den Anschlusszug warten?

Kaum waren wir am entsprechendem Gleis, stand aber an der Tafel, dass man bitte nicht einzusteigen hatte. Dann sahen wir, dass sich die Anzeige wechselte und „unser“ Zug heute von einem anderen Gleis losfuhr. Begeistert waren wir nicht, aber wir schnappten uns unseren Koffer und die Taschen und eilten los. Doch so sehr wir auch eilten, der Zug fuhr los, leider ohne uns. Ein schneller Blick aufs Handy zeigte uns, dass der nächste Zug nach Duisburg mit Umstieg nach Oberhausen erst in zwei Stunden fuhr. Unsere Laune war dementsprechend, musste ich doch Montag wieder recht zeitig im Büro sein. Selbst wenn nach diesem Zug alles gutgehen würde, wären wir nicht vor 24 Uhr Zuhause. Aber da wir eh ja erst einmal etwas Zeit hatten, stellten wir uns am Service Point der deutschen Bahn an. Der unhöflich wirkende Mann bestätigte unsere Befürchtungen, dass der nächste Zug für uns erst in inzwischen 1,5 Stunden fuhr. Wir könnten natürlich auch eine schnellere Verbindung nehmen, einen IC oder einen ICE zum Beispiel. Auf die Frage, wie teuer uns dieser „Spaß“ kommen würde, sagte er uns, dass er das im System nicht sehen könne, wir die Informationen aber am Automaten oder im Reisezentrum bekommen würden. Auf dem Weg zum Reisezentrum wunderte es mich noch, dass es dort so schön leer war. Sollten wir wirklich Glück haben und sofort dran kommen? Murphy musste bei dem Gedanken von mir sicher sehr laut gelacht haben. Denn das Reisezentrum hatte bereits seit unserer Ankunft geschlossen. Dachte ich eben noch, meine Laune könne nicht noch weiter sinken, wurde ich in dem Moment eines besseren belehrt. Immerhin waren direkt am Eingang vom Reisezentrum die Automaten und so klickten wir uns nicht sehr erfreut durch die Strecken und zogen hörbar die Luft ein, als wir die Preise sahen:

5,50 € mehr für ein Sparangebot?

DAS war für uns keine Alternative, noch einmal das das 3,5fache ausgeben, was wir bis jetzt schon gezahlt hatten? Wieder stellten wir uns an, in der Hoffnung, wieder beim gleichen Mitarbeiter zu landen. Doch dieser, kaum hatte er uns gesehen und scheinbar erkannt, entdecke plötzlich seinen Servicegedanken wieder und machte sich mit dem Fahrgast vor uns in der Schlange auf, ihm den Automaten für den Kauf einer Fahrkarte zu erklären, wie löblich -.-

Seine Kollegin, die uns stattdessen „bediente“ oO(MUHAHAHAHA!) hatte natürlich eine einleuchtende Erklärung dafür, dass wir zum bereits geschlossenen Reisezentrum vom flüchtenden Kollegen geschickt wurden: Er hatte einfach vergessen, dass dieser Tag ein Sonntag war!

Was der Kollege an Missmut an den Tag legte, legte sie gefühlt an Gleichgültigkeit an den Tag. KEINER der beiden Kollegen entschuldigte sich auch nur einmal für die Unannehmlichkeiten, die wir durch ihren Arbeitgeber hatten. Die Servicekraft in mir spuckte Gift und Galle, doch eine andere Person in mir wußte, dass es nur meine Nerven waren, die sich aufreiben würden. Also besuchten wir das örtliche WC, für das wir auch noch einen Euro zahlen mussten und prima mit der „Sauberkeit“ eines RE mithalten konnte und tigerten dann in das Restaurant zum „Güldenem M“ um uns unser Abendessen zu holen. Es war zwar nicht so ganz nach meinem Ernährungsplan, aber das war mir in dieser Situation soetwas von egal. Und es war eine gute Entscheidung.

Klar, die Menschen, die genau wie wir warten mussten, hatten Hunger und so freuten sich die die Imbissbuden und Fastfoodketten im Bahnhof über den Ansturm. Und genau dort sollten die Mitarbeiter der deutschen Bahn auch einmal essen gehen. Zumindest die Mitarbeiter, die uns bedienten waren freundlich, haben Späßchen gemacht und mit Eisbechern jongliert. Ich bekam sogar eine JuniorTüte als neuen Fächerersatz, da der Zettel mit dem „Spar“angeboten für die Mitarbeiterin vom Service Point ein schlechter Witz und ein schlechter Fächer war.

Ach ja und der Folgezug, in dem wir dann saßen, war nicht nur der scheinbar kürzeste Zug, den die deutsche Bahn zu bieten hatte, sondern dieser fuhr natürlich nicht pünktlich los. Nein, er ließ sich 3 Minuten Zeit, ehe er sich in Gang setze. Ich möchte noch einmal erwähnen, dass der vorangegangene Zug von uns prima hätte erwischt werden können, hätte dieser auch diese 3 Minuten gewartet. Scheinbar kam für die deutsche Bahn nicht nur der Winter so plötzlich, sondern auch einige Ferien:

Es fuhr nichts pünktlich oder von wo es sollte an diesem Tag.

Es fuhr nichts pünktlich oder von wo es sollte an diesem Tag.

Unser Fastfood, so beschlossen wir, würde erst im nächsten Zug zwischen Warburg (Westf.) und Duisburg essen. Ich war mir nämlich nicht so sicher, ob ich es drinnen behalten hätte. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich in dieser Situation gar nicht so viel hätte essen können, wie ich hätte kotzen gemochtet. Außerdem war der Zug bis zum erbrechen voll. Trotzdem hatten wir Glück und ergatterten einen Sitzplatz an einem Tisch gegenüber einer fasziniert aussehenden Frau. Sie hatte irgendetwas an sich, was mich zwang, sie aus dem Augenwinkel zu beobachten, während wir uns  über die kommende Woche unterhielten. Doch auch wir schienen ihr spannend genug zur Beobachtung gewesen sein. Dann fragte sie uns noch, ob der nächste Halt Warburg sei, da sie da raus müsste. Mein Mann ergriff die Initiative und unterhielt sich etwas mit ihr. Sie ließ uns nämlich wissen, dass wir zwei besondere Menschen seien: Mein Mann wäre eine gute Leaderfigur und ich könne mit meiner Anwesenheit die Stimmung in einem Raum oder Zug ändern. Nur gut, dass ich mich bis dahin beruhigt hatte. Ich war mir sicher, dass das sicher auch in beide Richtungen funktionieren könnte.

Leider haben wir diese Person in der Eurobahn nach Duisburg nicht wiedergesehen. Hätte mich gerne mit einer ruhigeren Umgebung mit ihr weiter unterhalten. Aber so kümmerten wir uns um unser Abendessen, was inzwischen kalt war und schauten aus dem Fenster, wie die Lichter durch die Nacht sausten. Wir waren beide hundemüde aber der letzte Zugwechsel in Duisburg verlief ohne Probleme und die eine Haltestelle nach Oberhausen blieben wir stehen.

Immerhin hatte sich das Wetter ein bisschen beruhigt und wir kamen trockenen Fußes Zuhause an. Geschafft fiel ich ins Bett und schlief sofort ein. Ich spielte natürlich mit dem Gedanken, eine Beschwerde an die Bahn zu schreiben, aber hätte das wirklich Erfolg gehabt? Sie ist schon lange kein Serviceunternehmen mehr. Man muss eben stimmende Zahlen für die Aktionäre bringen. Was hättet ihr gemacht? Hättet ihr die Beschwerde wegen 2h Aufenthalt und unfreundlich rüberkommendes Personal geschrieben?

Ein Gedanke zu „#Kadeckireist

  1. „Im täglichen Wahnsinn, den Zauber finden“?!
    Wieder sehr gu(„a“)t getextet!Kompliment!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.