„Ich habe die Brille vergessen, können wir noch einmal umdrehen?“ – das Brillen-Selbstexperiment ~ Tag 3

brilletag3Kurz bevor wir uns aufmachen, nach Wesel zu fahren, bekomme ich noch die Idee, meine Sonnenbrille heraus zu suchen. Ich habe da noch ein „Puck, die Stubenfliege“-Modell. Als ich das aufsetze, kommt meinem Mann fast ein Stückchen Kotze hoch. Kurz darauf ist von mir ein Quietschen zu hören. Er ist irritiert und ich putze eine zweite Fakebrille, setze sie mir auf die Nase. Das Modell gefällt nicht nur mir, sondern auch meinem Mann besser.  Ich schnappe mir meinen Thermobecher und wir fahren also nach Wesel.

Nur ein Standbesitzer ist irritiert uns sagt dies auch. Ob ich eine neue Brille hätte, fragt er. Ich verneine die Frage und kläre auf. Die Brillenträger um mich herum schütteln nur verständnislos den Kopf, er nickt. Das verständnislose Kopfschütteln um mich herum von den Brillenträgern ernte ich oft, sobald ich erkläre, warum ich als Nicht-Brillenträger heute (und auch die nächsten Tage noch) eine Brille trage. Mir ist es egal, sie haben Regen angesagt. Die Brillenträger um mich herum verziehen die Mine. Ich freue mich. Endlich soll das passieren, wieso ich seit drei Tagen mit Brille herumlaufe.

Doch wir haben Pech. Weder auf unserem Marktgang, noch auf dem Weg vom Frühstück zurück zum Auto regnet es. Erst als wir im Auto sitzen klopfen ein paar Tropfen zaghaft an die Autoscheiben an. Mein Mann freut sich, ich bin etwas traurig.

Was ich gelernt habe: Die Brille verhindert nicht, dass ich mich öfters an den Augen reibe, sondern sie ist ständig pepatscht. Beim Frühstück habe ich einen dicken Fettfleck auf die Brille bekommen. Ich wollte sie sofort mit einer Serviette wegwischen. Großes Tohuwabohu unter den Brillenträgern um mich herum. DAS wäre der Tod jeder Brille. Ich lasse es und nehme mein T-Shirt. Nun habe ich einen regelmäßigen Film auf dem rechten Brillenglas. Ich fühle mich wie in einem 3D-Buch aus den 90ern und kicher leise.

Wir fahren heute eher von Wesel nach Hause. Es fühlt sich komisch an, mal im Hellen nach Hause zu fahren. Wir wollen nachmittags noch weg, doch ich ziehe ein halbstündiges Nickerchen vor. Dann machen wir uns fertig und fahren zum Geburtstag. Da es mal wieder „weg geht“, schminke ich mich. Der Lidstrich gelingt mir ganz gut und ich gehe stolz zu meinem Mann. Dann brechen wir auf. Es ist zwar ein Geburtstag, an dem man quasi kommen kann, wann man möchte, aber es ist schon später, als wir vor hatten los zu fahren. Kurz vor der Autobahn dann das Dilemma: „Schatz, ich habe die Brille vergessen, können wir noch einmal umdrehen?“ Natürlich drehen wir nicht um und ich überlebe den schönen Abend auch ohne Brille ganz gut. Todmüde und ohne Brille falle ich abends nach dem Abschminkritual ins Bett. „Wo habe ich vorhin eigentlich die Brille hingepackt?„, schießt es mir noch durch den Kopf, doch dann hat mich das Traumland wieder und da ist auch schon Morpheus, der mir zuwinkt.

 

Hier geht es zum letzten Bericht des Selbstexperimentes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.