Benehmen ist Glückssache

Gestern war ich absolut stinkesauer, die Nacht habe ich mit nachdenken verbracht und heute Morgen bin ich mir sicher: ich bin einfach nur entsetzt! Und wütend, wütend, weil mich die Situation einfach so lange beschäftigt. Versuchen wir es mal mit der Blog-Therapie.

Worum es geht? Um den Vorfall, den ich in weit abgeschwächter Form getwittert hatte.

Und ich dachte, die Sache sei damit vom Tisch. Doch warum auch immer, es beschäftigt mich mehr, wie ich eigentlich zugeben mag.

Was war nun genau passiert? Ich war auf dem Weg in meinen, wie ich finde, wohl verdienten Feierabend. Es trennten mich nur noch eine Aufzugfahrt vom Gleis und somit von der letzten Fahrstrecke nach Hause. Mit mir stieg noch eine sehr schlanke, fast schon magere Person ein. Kaum ging die Türe zu, zischelte sie los: „Sie als Fette haben kein Anrecht auf so glatte Haut. Akne haben Sie verdient!“ Da sie vor mir stand, schaute ich ihr genau in die giftsprühenden Augen und erwiderte kühl: „Akne scheinen zu einem hässlichen Charakter dazu zu gehören.“ Da waren wir auch schon oben und ich drängte mich an ihr vorbei ins Freie. Ich wollte, angetrieben durch das flaue Gefühl im Bauch, möglichst schnell möglichst viel Abstand zwischen dem Aufzug und mich bringen.

Erst als ich im Zug in Richtung Oberhausen sass, schrieb ich die Situation meinem Mann. Und ich wünschte, ich hätte ein Sachohr. Doch den Satz von Aknedürre nahm ich zu 110% mit dem persönlichen Ohr auf. Diese Person wünscht mir also mächtige Unreinheit auf die Haut, weil ich dick bin? Sie hätte meine Haut mal mit 15kg mehr sehen sollen! Dieser arme aknegeplagte dünne Mensch hatte sein Ziel erreicht: mir hatte es den Abend verdorben, aber so mächtig. Und zwar so doll, dass ich nicht auf die Uhrzeit achtete. Und so schaffte ich es auch nicht pünktlich ins Bett, geschweige denn am Morgen pünktlich zum Lauf aus den Federn.

Denn die Nacht über fing die Wunde vom Vorabend sprichwörtlich an zu eitern. Ich fühlte mich in meine Teenagerzeit versetzt, in der man mich auf Grund meines Gewichtes hänselte. Und jetzt? Reichte das nicht als Grund? Oder war den Menschen einfach die Beleidigungen ausgegangen?

Hallo Aknedürre, wenn Du das lesen solltest: Herzlichen Glückwunsch, Dein scheinbarer Plan ist aufgegangen. Aber ich verrate Dir noch etwas: ich habe über Nacht keine Pickel bekommen und in ein paar Wochen Tagen habe ich Dich komplett vergessen. Vielleicht denke ich auch mit einem Lächeln auf den Lippen an Dich, wenn ich mal in den Spiegel schaue.

Dir wünsche ich den Mut, damit zu einem Hautarzt zu gehen und eine für Dich passende Therapie zu finden, Deine Krankenkasse unterstützt Dich dabei vielleicht. Ansonsten habe ich noch ganz viel Mitleid für Dich, in dem bin ich früher auch selbst ertrunken.

Ich wünschte, ich könnte den Neid, den Du mir entgegen bringst, genießen, aber dazu bin ich nicht der Mensch. Außerdem habe ich meine Haut meinen Genen zu verdanken, also nichts, worauf ich stolz sein kann. Aber ich gebe das Kompliment gern an meine Eltern weiter.

Der eine oder andere mag meine Reaktion vielleicht etwas hart finden, aber wie hättet ihr in der Situation reagiert? Oder habt ihr auch schon solche Situationen erlebt und habt ganz anders reagiert? Lasst es mich wissen, wie immer, hier, dort oder unten in den Kommentaren.

4 Gedanken zu „Benehmen ist Glückssache

  1. Also das ist ja echt der Hammer von dieser „dürren“ Nase.
    Ich glaube hier in Franken oder auch in Bayern, hätte die eine „Mauschelln“ (Ohrfeige) erhalten die sich gewaschen hätte.

    Am besten einfach nicht über solche Idioten(innen) nachdenken selbst wenn es schwer ist. Die versuchen doch nur ihren eigenen Probleme zu verdrängen und anderen die Schuld dafür zu geben.

  2. Scheiss auf das Klappergestell. Ernsthaft. Sei froh, dass du keine Pickel (mehr) hast. Ich hab sie seit Jahren und das hat nichts mit dick sein zutun. Viel mehr ist es ne Art von Rosacea. Ich kenne es seit meiner Kindheit nicht anders und wer sich daran stört soll weg gucken. Und wer dumme Sprüche bringt oder glotzt bekommt einen Spruch.
    „Das ist ja eine höchst originelle Bemerkung. Hätte ich dir gar nicht zugetraut.“ oder „Ich hatte schon interessantere Gespräche – mit ’ner Waschmaschine“. „Kannst du nicht was Sinnvolleres tun, als mich vollzuquatschen? Erbsen zählen, oder so?“ Das kann ich den ganzen Tag weiterführen *grins*
    Ernsthaft. Irgendwann habe ich mir einen Panzer zugelegt. Klar dringen einige Blicke und Wörter manchmal durch den Panzer, aber ich sage mir immer, dass ich mit Pickeln leben kann, leben muss. Und das dick sein kann ich ändern wenn ich will, aber Doofheit bleibt ein Leben lang.

    Kopf hoch und wenn du sie noch mal siehst, denk an die o.g. Sprüche. Schön laut, damit der Zug auch was zu lachen hat. Glaub mir, das wird ihr so peinlich sein, dass sie nie wieder die Fresse aufreißt.

    Hab ich schon 2x beim Einkaufen erlebt. Ne Gruppe von Jugendlichen steht vorm Rewe. Als sie uns sehen waren wir das Gesprächsthema. Sie tuscheln und lachen, als wir vorbei gehen und das Wort „fette Kuh“ fiel. Ich schob mit dem Einkaufswagen neben die Gruppe und mein Mann (1,98m) wollte gerade „dazustoßen“. Doch das regle ich lieber selber.
    „Als der liebe Gott die Intelligenz verteilt hat, warst du wohl gerade auf dem Klo. Lach nur über mich. Viel Lustiges scheint es in deinem Leben ja nicht zu geben!“ Alles etwas lauter und die Leute neben uns waren am grinsen. Glaub mir, das tut er nie nie wieder ^^

  3. Auch ich bin „Akne“ schockiert!Dieser unselige Ungeist ,in so mancher „Gesellschaftsschicht“,mich ziemlich betrübt & „nervt“!Aber,trotz fast „schlafloser“ Nacht,hat sich die „seelische Situation“ deutlich gebessert,mit wirklich „Chaoskaddy“ „treffsicheren“ Worten,Gedanken & „neuenTaten“…..
    Diese „Akne“-A- „Geige“,auch hier bin ich „gerne“ verletzend,ist eigentlich der wahre „Jammerlappen“,ob da überhaupt ein „Dermatologe“ helfen kann?
    „Hautprobleme“ sind zumeist „psychischer Natur“,daher auch diese „feine“ „zwischenmenschliche Reaktion“, von dieser „netten“ „A….“ „Geige“……
    „Zu neuen Ufern,lockt ein neuer Tag“!(J.W.von Goethe).

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