Alle Jahre wieder …

… kommt bei uns nicht immer das Christkind. Aber mit einem Atheisten im Haus ist das auch in Ordnung. Immerhin scheint Gott die letzten zwei Jahre herzhaft gelacht zu haben. Denn wir erinnern uns aus „der letzte Bulle“: Willst Du Gott zum Lachen bringen, mache einen Plan. Und die letzten zwei Jahre hatte ich einiges vor. Vieles davon ist leider nicht möglich gewesen.

 

Ich darf dazu erklären, dass ich Christin bin. Ich bin römisch katholisch erzogen worden, mit all den Bräuchen, die man sich aus unterschiedlichen Kulturen und Glaubensrichtungen abgeschaut und assimiliert hat, von der Erstkommunion bis hin zum jährlichen Weihnachtsfest. Und auch wenn ich in einer Kirche in Deutschland Hausverbot habe, habe ich meinen Frieden mit dem Glauben gefunden. Ich brauche keine Kirche, um an Gott zu glauben. Erst recht muss ich nicht in die Kirche an besonderen Festen gehen, wo jeeder geht, der sonst das ganze Jahr auch nicht geht. Diese Meinung hat mich in der Schule schon eine gute Note in dem Fach Religion gekostet. Egal, mich hat die Kirche lange in Ruhe gelassen.

Doch aktuell scheint sich die katholische Kirche an jedes Schäfchen zu wenden, was noch die Kirchensteuer zahlt. Denn heute Morgen kommt Post aus dem Essener Bistum. Es soll ein aufregendes Jahr für die Kirche gewesen sein und so weiter und sofort …

Und irgendwann im Brief teilt man mir mit, dass auch ich ab dem kommenden Jahr alle zwei Monate eine Zeitung des Bistums zugestellt bekomme. Mir kommt es absurd vor. Vor nicht einmal einer Stunde bin ich durch die Marktstr. von Oberhausen gelaufen. Dort stand eine Frau, die Obdachlosenzeitungen verkauft und ein Mann, der mit seinem Hund an einer Ecke saß. Er sitzt da oder anderswo immer. Klar, sagen einige, man muss in Deutschland nicht obdachlos sein. Wirklich nicht? Nach dem, was ich mit der Arge durchgemacht habe, kann ich nachvollziehen, dass einige Menschen lieber den kalten harten Winter in Kauf nehmen, als in diesem System zu leben. Es kann anstrengend ist echt anstrengend, den Pflichten eines Bürgers nach zu kommen.

Aber ich habe ein Dach über den Kopf, kann meinen Schreibtischstuhl näher an die Heizung schieben und die Wärme aus dem Eisenkörper nutzen [Jaja, ich weiß, ist sicherlich kein Eisen. Ich möchte damit auch keinem Installateur auf die Füße treten.] Und ich möchte nicht, dass man mir etwas schickt, mit dessem Wert man vielleicht anderen helfen könnte. Wo ist die Nächstenliebe, die man mir immer in den Gottesdiensten gelehrt hat? Nein, DAS ist in Zeiten vom Limburger Bistum einfach egal geworden. Man kümmert sich lieber um das Image. Man kann doch auch genau so gut die Zeitung Online als pdf-Datei zur Verfügung stellen. Das spart nicht nur Porto sondern auch noch Papier. Die Umwelt wird es uns danken. Und das Geld kann man aktuell bei DEN Temperaturen sicher besser woanders unterbringen.

Und genau diese Gedanken habe ich dem Bistum Essen in folgendem Brief mitgeteilt.

Brief

 

Sehr geehrter Herr Overbeck, sehr geehrte Redaktion,
 
Ihr Werbebrief über BENE hat mich in der Tat sehr erstaunt.
 
Sie schreiben selbst, dass die katholische Kirche ins Zentrum vieler Diskussionen geraten ist. Und das Bistum Limburg macht diese Sache wirklich nicht einfacher. Umso mehr wundert es mich, dass Sie Geld ausgeben für Zeitungen, die dem Imagewechsel der Kirche helfen soll?!
 
Ich bin Mitte dreißig und quasi mit dem Internet groß geworden. Begriffe, wie Twitter, Google und Facebook sind keine Unbekannte für mich, wie scheinbar der Kirche. Und ich habe sofort Ihre Homepage gefunden, die erstaunlich sehr übersichtlich und informativ ist.
 
Mit diesem Schreiben bitte ich Sie, mich von Ihrer Verteilerliste für die geplante Zeitung zu nehmen. Stellen Sie doch lieber die Zeitung als PDF-Datei online auf ihrer Homepage zur Verfügung. Oder richten Sie es ein, dass man sich per E-Mail Adresse anmelden kann und so die Zeitung als jenes genanntes PDF-Datei zugeschickt bekommt. Es kostet „nur“Bits und Bytes. Es spart Porto- und Papierkosten, unsere Natur wird es Ihnen danken.
 
Mir ist klar, dass der Bischof von Essen diesen Brief nicht lesen wird. Aber ich hoffe auch, mein Brief vielleicht etwas verändern wird.
 
Mit freundlichen Grüßen und einen schönen zweiten Advent wünscht
 
 Katrin Eckert

 

Ich bin mal gespannt, ob ich Resonant auf diesen Brief bekomme oder vielleicht im Januar doch eine Zeitung. Ich halte euch auf dem Laufenden. Und sobald ich den Weltfrieden organisiert habe und Chuck Norris besiegt habe, fällt mir auch eine Idee für Aurela ein.

2 Gedanken zu „Alle Jahre wieder …

  1. Was ist Nächstenliebe?

    (Genesis 2,15-17) „Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.“

    Die Kunst zu wirtschaften, ohne sich an der „Frucht vom Baum der Erkenntnis“ zu bedienen:

    (Jesus von Nazareth, ohne Garantie, weil – die Bildzeitung möge mir verzeihen – aus der „Bildzeitung der Antike“ zitiert) „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.“

    (Silvio Gesell, aus „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“, garantiert unwiderlegbar) „Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut.“

    Macht oder Konkurrenz

  2. Wieder ein mehr als „treffender“ Text!Hoffentlich,dieser kommt auch wirklich dort an!In „den Köpfen“!
    „Unter ihren Talaren,der Mief von tausend Jahren“!

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